Laut Forschung schlafen Babys rund um den Durchbruch eines Zahns nicht messbar schlechter. In einer Studie im Fachjournal The Journal of Pediatrics zeichneten Kameras über dem Bettchen den Schlaf von 849 Babys auf. In den Nächten rund ums Zahnen schliefen sie genauso lange, wachten genauso oft auf und brauchten die Eltern genauso oft wie in anderen Nächten.

So lief die Studie ab

Die Babys aus den USA und Kanada waren zwischen 3 und 18 Monate alt, im Schnitt gut 8 Monate. Ihre Eltern nutzten eine Nanit-Babykamera, die über dem Bettchen hängt. Eine Software wertet die Bewegungen des Babys aus und erkennt daran, wann es schläft und wann es wach ist. Sie registriert auch, wann ein Elternteil ans Bettchen kommt.

Die Eltern gaben an, an welchem Tag zuletzt ein Zahn durchgebrochen war. Als „Zahnungsnächte“ zählten die Nacht davor, die Nacht danach und die übernächste Nacht. Diese drei Nächte verglich das Team mit jeweils sechs Nächten davor und danach. Insgesamt flossen vier Wochen Kameradaten pro Kind ein. Weil die Babys von Beginn an begleitet und nicht erst im Nachhinein befragt wurden, spricht man von einer prospektiven Studie.

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Was die Kamera gemessen hat

Die Werte in den Zahnungsnächten und in den Vergleichsnächten lagen fast gleichauf:

  • Schlafdauer in der Nacht: 9,99 Stunden gegenüber 10,01 Stunden
  • Nächtliches Aufwachen: im Schnitt 3,29-mal gegenüber 3,31-mal
  • Besuche der Eltern am Bettchen: 1,52-mal gegenüber 1,53-mal

Keiner dieser Unterschiede war statistisch bedeutsam. Das heißt: Sie sind so klein, dass sie gut durch Zufall entstanden sein können. Eine zweite, anders aufgebaute Auswertung kam zum selben Ergebnis. Dafür zeigte sich etwas anderes: Über die vier Wochen schliefen die Babys insgesamt allmählich länger und wachten seltener auf, so wie es in diesem Alter zu erwarten ist.

Warum es sich trotzdem anders anfühlen kann

Gut die Hälfte der Eltern hatte den Eindruck, dass das Zahnen den Schlaf durcheinanderbringt. Die meisten von ihnen meinten, ihr Kind sei nachts öfter aufgewacht. Die Kameradaten zeigten das nicht.

Das Forschungsteam nennt mögliche Gründe. Nächtliche Ereignisse bleiben schlecht im Gedächtnis. Und wer erwartet, dass ein Zahn den Schlaf stört, achtet in diesen Nächten genauer auf jedes Geräusch. Denkbar ist auch, dass Babys beim Aufwachen stärker weinen, ohne öfter wach zu werden. Das kann eine Kamera, die nur Bewegungen misst, nicht erfassen.

Für dich heißt das: Schläft dein Baby gerade schlecht, ist ein neuer Zahn nicht automatisch der Grund. Die Forschenden raten, auch an andere Ursachen zu denken, zum Beispiel an Schlafgewohnheiten, die sich eingeschliffen haben. Gleichzeitig betonen sie, dass die Erfahrungen der Eltern ernst genommen werden sollen.

Wann du es kinderärztlich abklären lassen solltest

Zahnen wird oft für alles Mögliche verantwortlich gemacht. Die Studie erinnert daran, das nicht vorschnell zu tun. Unabhängig von der Studie gilt als allgemeine Faustregel: Lass es kinderärztlich abklären, wenn dein Baby

  • Fieber hat, vor allem hohes Fieber, oder jünger als 3 Monate ist und überhaupt Fieber hat,
  • schlecht trinkt oder deutlich weniger nasse Windeln hat,
  • Durchfall hat oder erbricht,
  • sich über längere Zeit nicht beruhigen lässt,
  • einen Hautausschlag bekommt,
  • an den Ohren zieht und zusätzlich Fieber hat,
  • auffallend schlapp, teilnahmslos oder sehr krank wirkt.

Solche Anzeichen solltest du nicht einfach dem Zahnen zuschreiben. Im Zweifel ruf in der Kinderarztpraxis an, außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall unter 112.

Wie belastbar das Ergebnis ist

Die Studie ist groß und hat den Schlaf gemessen statt nur abgefragt. Sie hat aber Grenzen:

  • Die Kamera erfasst nur Schlaf im eigenen Bettchen. Für Babys, die im Elternbett schlafen, sagt die Studie wenig.
  • Den Tag des Zahndurchbruchs gaben die Eltern aus der Erinnerung an.
  • Ob und wann Schmerzmittel oder Zahnungsgele gegeben wurden, floss nicht in die Auswertung ein.
  • Die Familien waren überwiegend weiß, gut ausgebildet, einkommensstark und lebten in Nordamerika.
  • Drei der Forschenden beraten Nanit, die Firma hinter den Kameras.

Fazit

In dieser Studie mit 849 Babys veränderte sich der gemessene Nachtschlaf rund um einen neuen Zahn praktisch nicht. Wenn dein Baby schlecht schläft, lohnt sich deshalb ein breiterer Blick. Und bei Fieber oder anderen Krankheitszeichen gehört es in kinderärztliche Hände, nicht in die Schublade „Zahnen“.

Quellen

Kahn M, Lucchini M, Oster E, Thakur S, Waugh M, Barnett N. Does Teething Disrupt Infant Sleep? A Longitudinal Auto-Videosomnography Study. The Journal of Pediatrics. 2025;279:114461. DOI: 10.1016/j.jpeds.2025.114461 · PubMed: 39788183