Mythos oder Fakt: Exploding-Head-Syndrom erklärt
Solche plötzlichen Knall-Erlebnisse beim Einschlafen oder Aufwachen sind in der Forschung beschrieben. Die Ursache ist nach den hier genutzten Quellen noch unklar.
Der Name klingt dramatisch. Gemeint ist aber ein beschriebenes Schlafphänomen. Beim sogenannten Exploding-Head-Syndrom, kurz EHS, nimmst du beim Einschlafen oder Aufwachen plötzlich ein lautes Geräusch oder ein explosives Gefühl im Kopf wahr. Das kann sehr erschreckend sein. Eine Fallserie (eine Sammlung beschriebener Patientenfälle) von 1989 betonte aber die gutartige Natur des Zustands.
Was dahintersteckt
Das Exploding-Head-Syndrom wurde in dieser Fallserie von 1989 mit 50 Patientinnen und Patienten beschrieben. Laut dieser Arbeit ist es gekennzeichnet durch das Gefühl eines explosiven Geräuschs im Kopf, meist in der Übergangsphase zum Schlaf. Die begleitenden Beschwerden waren unterschiedlich. Der Autor betonte aber vor allem die gutartige Natur des Zustands. In dieser Fallserie waren weder umfangreiche Untersuchungen noch eine Behandlung angezeigt.
Wichtig ist: Es geht nach den Beschreibungen nicht um einen echten Knall von außen, sondern um eine Wahrnehmung beim Übergang zwischen Wachsein und Schlaf. Genau diese Übergänge tauchen auch in späteren Studien wieder auf.
Was die Forschung zeigt
Frühe Beschreibung: 50 Patientinnen und Patienten
Die Arbeit von 1989 ist vor allem eine klinische Beschreibung. Menschen berichteten von plötzlichen, explosiven Geräuschen im Kopf, typischerweise kurz vor dem Einschlafen. Die Beschwerden konnten sehr verschieden sein. Die Grundbotschaft der Arbeit war aber beruhigend: EHS wurde als gutartig beschrieben.
In einer Gruppe von Studierenden war EHS nicht selten
Eine Studie von 2015 untersuchte 211 Studierende im Grundstudium mit Diagnose-Gesprächen nach festem Muster. 18,00 % der untersuchten Gruppe berichteten, EHS irgendwann im Leben erlebt zu haben. Für wiederkehrende Fälle lag der Wert bei 16,60 %.
Die Studie untersuchte nur diese eine Gruppe von Studierenden. Für diese Gruppe zeigt sie: EHS kam bei jüngeren Menschen relativ häufig vor.
Noch etwas fiel auf: EHS war in dieser Gruppe nicht häufiger bei Frauen. Außerdem trat es bei 36,89 % der Personen mit isolierter Schlafparalyse (Schlaflähmung) auf. Die Episoden gingen laut Studie mit starker Angst einher. Bei einer Minderheit, 2,80 %, war das Erleben so stark, dass es mit deutlichem Leidensdruck und/oder Beeinträchtigung verbunden war.
EHS ist oft mehr als nur ein Geräusch
Eine weitere Studie von 2018 schaute sich 49 Studierende mit EHS genauer an. Dort wurden die typischen Begleiterscheinungen erfasst. Am häufigsten waren:
- Herzrasen
- Angst
- Muskelzucken
Die schwersten Episoden waren mit Atembeschwerden verbunden. Außerdem berichteten 27 % von visuellen Phänomenen (kurzen Seheindrücken).
Interessant ist auch: Die Betroffenen beschrieben die Episoden als eher zufällig. Sie traten aber am ehesten in Wach-Schlaf-Übergängen auf und eher dann, wenn die Person auf dem Rücken lag. Im Durchschnitt hatten die Episoden 4,5 zusätzliche Symptome. Die Studie beschreibt EHS-Episoden deshalb als komplex und oft als ein Erleben, das mehrere Sinne betrifft.
Was noch unklar ist
So klar die Beschreibung des Phänomens ist, so offen bleibt die Ursache. Die hier genutzten Studien zeigen nicht, warum EHS genau entsteht. Sie liefern auch keine sichere Antwort darauf, wie häufig EHS in der Allgemeinbevölkerung wirklich ist. Die Zahlen aus 2015 und 2018 stammen aus Untersuchungen mit Studierenden und gelten deshalb nur für diese Gruppen.
Auch zur Behandlung ist die Lage dünn. Die Fallserie von 1989 betonte die gutartige Natur. Die Studie von 2018 schrieb, dass Behandlungsansätze begrenzt sind. Die Studie von 2015 empfahl, EHS in Forschung und klinischen Settings regelmäßiger zu erfassen.
Kurios am Rande
Ein paar Details aus den Studien sind besonders bemerkenswert:
- In der Studie von 2018 hatten EHS-Episoden im Mittel 4,5 zusätzliche Symptome.
- Nur 11 % der Betroffenen aus dieser Studie hatten EHS überhaupt einmal einer Fachperson berichtet.
- Nur 8 % der Personen mit wiederkehrendem EHS versuchten aktiv, die Episoden zu verhindern.
Fazit
Der „Knall im Kopf“ beim Einschlafen ist kein Mythos. Das Exploding-Head-Syndrom ist in klinischen Berichten und Studien beschrieben. Es tritt vor allem in Übergängen zwischen Wachsein und Schlaf auf und kann mit Angst, Herzrasen, Muskelzucken oder visuellen Phänomenen verbunden sein. In der Fallserie von 1989 wurde es als gutartig beschrieben. Unklar bleibt aber, warum es genau entsteht und wie häufig es außerhalb der untersuchten Gruppen von Studierenden wirklich ist.
Quellen
Clinical features of the exploding head syndrome (1989). Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry – https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1031943/
Exploding head syndrome is common in college students (2015). Journal of sleep research – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25773787/
Characteristic symptoms and associated features of exploding head syndrome in undergraduates (2018). Cephalalgia : an international journal of headache – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28385085/
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